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Sorgen kann man teilen. 0800/111 0 111 · 0800/111 0 222 · 116 123 Ihr Anruf ist kostenfrei

TelefonSeelsorge Untermain

10. September Welttag der Suizidprävention

Wenn Sprechen Leben rettet - TelefonSeelsorge

Um die Öffentlichkeit auf die weitgehend tabuisierte Problematik der Suizidtoten aufmerksam zu machen, ruft die Weltgesundheitsorganisation WHO alljährlich am 10. September den Welttag der Suizidprävention aus. In Deutschland töten sich etwa 10 000 Menschen im Jahr. Das sind mehr Menschen als in einem Jahr an Verkehrsunfällen, Gewalttaten und Drogenkonsum sterben. 2012 kamen auf einen Menschen, der/die sich tötete 20 Suizidversuche. Besonders gefährdet sind Jugendliche im Alter von 15 – 29 Jahren, Erwachsene zwischen 40 und 50 Jahren und Menschen über 70 Jahre.

Viele Menschen tragen sich mit Suizidgedanken. Sei es aufgrund einer körperlichen oder psychischen Erkrankung, (drohender) Arbeitslosigkeit, Überlastungen im Alltag, Trennung und Scheidung oder Drogen- und Alkoholmissbrauch.

 Die TelefonSeelsorge wurde mit der Idee gegründet für Menschen in Krisen und mit suizidalen Absichten eine niedrigschwellige Anlaufstelle zu sein. Gespräche mit ihr sind kostenfrei und anonym.

Die Mitarbeiter der TelefonSeelsorge sind für Gespräche mit suizidalen Menschen ausgebildet. Ihre Erfahrung: über Selbsttötungsabsichten zu sprechen hilft Leben retten. Dass bei der TelefonSeelsorge Zeit und Raum ist, über Selbsttötungsgedanken zu sprechen, entlastet. Es ist kein Tabu – sondern ein lebenswichtiges Thema. Nicht immer sprechen Anrufende von sich aus Suizidgedanken an. Die Mitarbeitenden fragen, wenn sie Signale zu erkennen meinen. Es ist falsch, dass Menschen auf die Idee kommen, sich zu töten, wenn man sie darauf anspricht. Die Erfahrung ist völlig anders: es ist für Anrufende erleichternd darüber sprechen zu dürfen und jemanden zu haben, der sie ernst nimmt und Zeit hat, auch am Abend und in der Nacht. Denn die meisten wollen nicht sterben, sehen aber keinen anderen Ausweg mehr, weil ihnen alles über den Kopf wächst. 

Statistisch sprachen die Mitarbeiter der Ökumenischen TelefonSeelsorge Untermain vom 1. Januar bis zum 31. Juli 2015 mindestens einmal am Tag mit einem Anrufer über Suizidgedanken, jeden vierten Tag werden Suizidabsichten geäußert. 28 % aller Anrufenden geben eine diagnostizierte psychische Erkrankung an. Sie rufen immer wieder an mit dem Wissen, dass ein Gespräch ihnen hilft stabiler zu werden. Suizidprofilaxe ist die tägliche Arbeit der TelefonSeelsorge. 

Nicht immer ist ein Gespräch ausreichend. Deshalb schließen die Mitarbeiter einen „Vertrag“ mit den Anrufenden. Er beinhaltet das Versprechen noch einmal anzurufen, wenn die Suizidabsicht wieder stärker wird. Der Vertrag (oder Verträge nach mehreren Anrufen) ist eine Brücke über eine schwere Zeit. 

Und wie können die Telefonseelsorger und Telefonseelsorgerinnen mit dem Gehörten und der Angst um den oder die Anrufende umgehen? Sie entlasten sich in der Supervision. Sie denken an die Menschen, mit denen sie gesprochen haben. Sie beten für sie. Sie hoffen auf einen guten Ausgang. Manche stellen in einer Kirche eine Kerze auf.

Manchmal kommt ein Anruf einige Tage später: „weil ich mit Ihnen gesprochen habe, habe ich mich nicht umgebracht….“. Das ist für alle ein Grund zum Feiern. 

TelefonSeelsorge: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222

Mail- und Chatberatung der TelefonSeelsorge: www.telefonseelsorge.de

 

Christiane Knobling